|
Es gibt mehrere verschiedene Arten, eine französische Politur aufzubauen.
Die nachfolgenden Angaben sollen einen kleinen Einblick für Anfänger bieten.
Das Polieren bedarf einiger Übung und Erfahrung. Daher ist es ratsam,
daß Sie einige Übungen an einem Musterbrett vornehmen. Die Verarbeitung
muß in einem warmen, staubfreien und trockenem Raum erfolgen.

Vorbereitung: Die Vorbereitung der zu polierenden Fläche ist
äußerst wichtig. Um ein sehr gutes Ergebnis zu erzielen, ist es unbedingt
notwendig, daß alle auch noch so kleinen Unebenheiten, die zum Beispiel
beim Wachsen oder Lackieren nicht auffallen würden, entfernt werden. Dazu
muß man die Fläche gegebenenfalls abbeizen, entwachsen und reinigen. Anschließend
wird die Oberfläche mit sehr feinem Schleifpapier (mindestens Korn 240)
abgeschliffen. Den Schleifstaub vorsichtig entfernen. Um die Holzporen
zu schließen, verwendet man nun einen Porenfüller, oder auch Sanding Sealer.
Bei anschließenden Verwendung von Schellack-Polituren ist darauf zu achten,
daß man nur spezielle Schellack-Grundierungen verwendet. Als Alternative
kann man auch einen Auftrag mit der späteren Politur machen. Nach der
Auftragung gut trocknen lassen und mit der Stahlwolle Grad 000 glattpolieren.
Den Polierstaub vorsichtig entfernen.

Der Polierballen: French Polish wird mit einem Polierballen aufgetragen.
Der Ballen wird aus einem weichen Baumwoll- oder Leintuch angefertigt.
Gefüllt wird das Tuch mit Baumwollfäden, die zu einem Bausch zusammengefügt
werden. Die Größe des Ballens können Sie jetzt beim Zusammenlegen des
Ballens bestimmen. Die Größe wird der Hand des Polierers, sowie der Größe
des zu polierenden Stücks angepaßt. Die vier Ecken des Tuches werden nun
zur Mitte hin gefaltet und der entstehende Ballen so geformt, bis er einer
Birne ähnelt. Ziehen Sie den Ballen so lange glatt, bis sich an der Unterseite
(Arbeitsfläche) alle Unebenheiten und Falten geglättet haben. Es ist auch
darauf zu achten, daß keine Löcher oder Flicken auf der Polierfläche sind.
Ist der Ballen glatt und straff, so ist er genau richtig. Die Politur
wird nun direkt in den Baumwollbausch hineingegoßen. Geben Sie niemals
die Schellack-Politur direkt auf die Polierfläche des Ballens und tauchen
sie diesen auch niemals in die Politur ein.Eventuell überschüssige Politur
drücken Sie bitte auf ein anderes bereitgestelltes sauberes Stück Holz
aus. Wenn Sie dies nicht tun, kann es passieren, daß der Ballen zu naß
ist und beim Auftragen Streifen hinterläßt, die zu Unebenheiten führen
können. Das würde bedeuten, daß Sie die Oberfläche austrocknen lassen
müßten, anschließend mit der Stahlwolle wieder glätten und die ganze Prozedur
von vorne beginnen müssen. Um sich die Arbeit etwas zu erleichtern, kann
man dem Ballen etwas Brennspiritus (oder hochprozentigen, vergällten Alkohol)
in Kleinstmengen hinzufügen.

Der Grundauftrag: Die erste Schicht wird durch schnelles Auf-
und Abreiben auf dem Möbel mit nicht allzuvielem Druck aufgetragen. Durch
das Drücken auf den Ballen steuern Sie die Menge der Politur, die auf
die Oberfläche austritt. Fahren Sie in keinem Fall über eine noch nicht
ausgetrocknete Schicht, da Sie sonst diese wieder entfernen würden.

Der Aufbau: Weitere Auftragung der Politur erfolgen in kreisenden
und in sich wiederum kreisenden Bewegungen, ähnlich wie eine 8. Der Ballen
fährt schnell und leicht über die Oberfläche hinweg. Der Ballen gleitet
immer von der Seite aus über das Holz und verläßt diese auf dem gleichen
Wege. Vom Aufsetzen und Entfernen des Ballens in der Mitte ist abzuraten,
da hierbei Flecken entstehen, die nur sehr schwer wieder herauszupolieren
sind. Aus dem gleichen Grund dürfen Sie niemals den Ballen während des
Auftragens anhalten. Der Alkohol würde sofort die Oberfläche angreifen
und auflösen.
Nach einiger Zeit gleitet der Ballen nicht mehr so leicht. Man sagt dazu
auch - er fängt an zu "reißen". Das kommt daher, daß sich der
Alkohol verflüchtigt und der Schellack zu trocknen beginnt. Um das Reißen
zu vermeiden, fügen Sie dem Ballen Polieröl zu. Lassen Sie hierzu einen
Tropfen Polieröl auf den Finger tropfen und reiben diesen vorsichtig auf
der Polierfläche des Ballens auf. Verwenden Sie nicht zu viel Öl, da es
sonst schlierige Streifen im Lack verursachen kann.

Das Aushärten: Nach allen 4-5 Auftragungen wird die Arbeit für
einige Stunden unterbrochen. Die Oberfläche muß in dieser Zeit trocknen.
Während der Pausen als auch nach der Arbeit muß der Ballen in einem verschlossenem
Glas aufbewahrt werden. In das Glas sollte man einige Tropfen Spiritus
geben, um das Austrocknen des Ballens zu verhindern. Ist ein Polierballen
einmal getrocknet, kann man ihn nicht mehr verwenden. Man muß in diesem
Fall einen neuen Ballen anfertigen.Vor dem Auspolieren muß die Politur
für mindestens 24 Stunden trocknen. Danach kann man sich überzeugen, ob
die Politur nicht abgesackt ist und ob sie einem gefällt. Jetzt wäre noch
Zeit, weitere Auftragungen vorzunehmen.

Das Auspolieren: Wenn ausreichende Schellacklagen (mindestens
20, je nach Bedarf auch mehr) aufgetragen worden sind, kann mit dem Auspolieren
begonnen werden. Hierzu muß ein neuer Ballen angefertigt werden. Dieser
wird mit Spiritus, verdünntem French Polish gefüllt und anschließend ausgedrückt,
bis er weitgehendst trocken ist. Gleiten Sie mit dem Ballen in kreisenden
Bewegungen über die Fläche und beenden Sie den Vorgang, indem Sie entlang
der Maserung zum Rand fahren. Anschließend die Oberfläche wieder trocknen
lassen. Zum Schluß geht man mit dem Ballen, der mit etwas Spiritus getränkt
und ausgedrückt worden ist, über die Schellackoberfläche. Dies bewirkt,
daß alle kleinen Flecken, die noch sichtbar waren, verschwinden.

Tipps: Bei Schnitzereien oder Drechselarbeiten mit Vertiefungen,
die man nicht mit dem Ballen erreichen kann, empfiehlt es sich, das French
Polish direkt mit einem weichem Pinsel aufzutragen.
Wenn man eine seidenmatte oder matte Oberfläche wünscht, kann man dies
erreichen, indem man mit der Stahlwolle Grad 000 oder 00 Antik Wachs aufträgt
und poliert. Eine andere Methode wäre das Polieren mit Bimsmehl, das mit
einer weichen Bürste poliert wird.
|